Ein selbstbestimmtes Leben, am Wupperbogen

von | 8 Dez 2021 | Vorstellung Wupperbogener

Uns hat es vor ca. 6 Jahren nach Leichlingen verschlagen. Wir beide, haben fast den Großteil unseres Lebens in der Nachbarstadt Leverkusen verbracht.
Durch eine Erkrankung von mir, mussten wir unser beider Leben umkrempeln.

Es ist wie es ist……. Der Rest meines Lebens wird nun auf Rädern stattfinden.
Da es unumgänglich war, hieß es:
Sich neu sammeln, orientieren und nach vorne schauen!

Da war sie nun, die Erste große Hürde:
Eine barrierefreie Wohnung finden.
Was sich als nicht so einfach herausstellen sollte!
Es muss ja einiges stimmen, mal abgesehen von den finanziellen Möglichkeiten.
Ich, Monate lang im Krankenhaus, mein Ehemann auf Besichtigungstour, von einer Wohnung zur anderen.
Und dann irgendwann, nach etlichen Versuchen, der Volltreffer in Leichlingen, Erdgeschoss, Neubau und in unserem Budget.

Der Umzug erfolgte ziemlich zügig, da ich die Alte Wohnung nur mit Tragedienst bewältigen konnte. Vom Krankenhaus aus nochmal für ein paar Wochen in unser altes Zuhause und dann sollte der Neuanfang starten.
Mein Mann, Familie und Freunde haben den Umzug und Einzug gestemmt, bis ich als letztes aus der Leeren Wohnung nach Leichlingen kam…….

Ein Großer, für uns, emotionaler Tag. Man verlässt nach 33 Jahren nicht einfach eine Wohnung, man verlässt auch Liebe Nachbarn, tausende von Erinnerungen und liebgewonnene Gewohnheiten.
Dann ging es nun, in einem Ort, den ich näher nie kennengelernt hatte und in einer völlig neuen Nachbarschaft…………. Und dann noch, der Rollstuhl!

Ich genoss es aber zuerst mal, mich überall in der Wohnung bewegen zu können. Das ist ein großes Privileg!!
Eine Küche zu bedienen, die meinen Anforderungen entsprach.
Ein Badezimmer, in dem ich ans Waschbecken kam und mich duschen konnte. Ein Bett, an das ich gut heranfahren konnte. Das war unfassbar.

Nach einigen Tagen und einigem hin und her sortieren, kamen wir langsam in Leichlingen zur Ruhe…………
Nette Nachbarn und meine Familie, machten es uns leicht.

Wir sahen zu, dass ich so selbstbestimmt und selbstständig leben kann, wie jeder andere auch.
Dazu trieb mich schon mein eigener Ehrgeiz!
Die Mobilität wurde angepasst…… so gut es ging! (dieses ist ja eine Frage der Krankenkasse und auch des eigenen Geldbeutels)
Und dann ging es los, Leichlingen und Umgebung zu entdecken.

Nun ja, ein Bergischer Ort, mit Rollstuhl nicht so einfach zu bewältigen, aber durchaus machbar.
Arztpraxen mussten neu gesucht werden.
Physiotherapie und Sport sollte möglich sein, ich wollte auch wieder allein Kleinigkeiten einkaufen gehen, zum Friseur………..alles was man halt so zum Leben benötigt.

Die Menschen hier sind sehr hilfsbereit und entgegenkommend.
Geschäfte, die ich nicht befahren kann, dort kommt man mir entgegen.

Trotz alledem gibt es so viele Hürden im Rollstuhl, wo sich Fußgänger keine Gedanken machen…….. Was ich auch irgendwo nachvollziehen kann.
Allein die Sorge, dass man sehr oft auf Hilfe angewiesen ist, dass man nach Behilflichkeiten fragen muss……….. das ist eine große Herausforderung für mich, wenn man vorher alles allein regeln und organisieren konnte.

Die Erste Busfahrt, das Erste Einkaufen, das Erste Mal zum Sport, Auto fahren wieder erlernen, die Ersten Blicke von Passanten, das Erste Menü selbstständig kochen…….. es sind tausend Dinge, die vorher so selbstverständlich waren, die nun, alle von neuem beginnen.

Wir haben immer viel und gerne gefeiert. Wir lieben Geselligkeit und das Miteinander.
Dann kam meine erste Veranstaltung hier im Ort.
Der Karnevalsumzug im Zentrum.

Nur eine öffentliche Toilette auf der alten Postwiese.
Überhaupt! Im ganzen Ort!
Das ist schon eine große Hürde!
Nicht hinten in der letzten Reihe stehen, denn da sehe ich nichts!!

Alles so unscheinbare Dinge.

Darauf folgte ein Weinfest, auf dem ein Toilettenwagen mit Stufen aufgestellt wurde! Tische, an die ich nicht heranfahren konnte.
Alles auf einer schlecht befahrbaren Wiese.
Für mich……….. nichts!

Und einige andere Geschichten.

Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, unsere Stadtverwaltung darauf aufmerksam zu machen.
Denn Inklusion ist nicht nur für mich wichtig, für viele andere auch.
Die Barrieren müssen abgebaut werden.

Es gibt noch viel zu tun, und ich möchte allen, die das hier lesen mitgeben:
Macht Euch Gedanken, wenn was für eine Gemeinschaft geplant wird, denn auch ich würde gerne daran teilnehmen……… wie viele andere in meiner Situation!
Wir brauchen nicht immer nur Hilfe und Anreichungen, wir brauchen auch die Ausgelassenheit, Freude und den Spaß am Leben, den Ihr auch genießen könnt.

Gemeinsam sind wir Stark! Und ein Teil vom Ganzen!
(U. + W. Köhler)

 

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